Verreisen ist eines dieser Dinge, die wir erst jetzt so richtig zu schätzen lernen. Mal eben mit der Bahn zu Freunden in einem anderen Stadtteil fahren? Was vor ein paar Wochen noch alltäglich war, erscheint uns jetzt wie ein unerreichbarer Luxus. Und je näher die warmen Sommertage rücken, desto bewusster wird uns, dass auch die alljährliche Urlaubsplanung eher auf Stornierung als auf Entspannung hinauslaufen wird. Auf persönliche Freiheiten verzichten ist nicht immer einfach, auch wenn es zum Wohle der Gesellschaft passiert.

 

Das bedeutet also, wir müssen uns für eine Weile andere Möglichkeiten suchen, um unsere Neugier und unser Fernweh zu besänftigen. Und genau wie auf einer richtigen Reise, musst du eben ein bisschen forschen, um die besten Plätze und Geheimtipps zu finden. Das Ergebnis ist fast genauso zufriedenstellend. Hüpfe von einem Ort zum anderen, entdecke die Welt um dich herum und im Nu fühlen sich deine vier Wände nicht mehr so eng an.

 

Live-Webcams sind fast so alt wie das Internet selbst. Die erste Webcam kam 1991 zum Einsatz, als ein paar Informatiker überprüfen wollten, wie viel Kaffee noch in der gemeinsamen Kanne übrig geblieben war. Wir ignorieren an dieser Stelle einfach, dass diese geniale Erfindung nur aus Faulheit entstanden ist… Aktuell sind Live-Webcams ein spannendes Fenster in alle möglichen Ecken der Welt. Wo zieht es dich heute hin?

 

Da sind zum einen die Webcams, die dir die Schönheit der Natur näher bringen wollen. Dazu gehört beispielsweise der Seeblick in Queenstown in Neuseeland. Oder du entscheidest dich für die Webcam auf einem Hügel in Tennessee. Von dort aus kannst du dir die Blackberry Mountains anschauen. Wenn du also mal wieder eine kleine Auszeit brauchst und dir nach Entspannung ist, wirf doch mal einen Blick auf diese Streams. 

Um eine richtig gute Live-Webcam zu finden, gelten die gleichen Regeln, wie bei der Erkundung einer neuen Stadt: Um die schönsten Ecken zu finden, musst du dich von den ausgetretenen Wegen trennen und dir einen eigenen Weg bahnen. Nur so findest du die richtig interessanten Sachen.

Es gibt natürlich auch Webcams, die entweder wegen ihrer furchtbaren Qualität oder absolut langweiligen Themenwahl fast schon sinnlos erscheinen. In der äußerst passend benannten Stadt „Boring“ in Oregon kannst du dir zum Beispiel rund um die Uhr eine Brücke ansehen, oder du starrst für eine Weile eine Glühbirne an, die schon seit 117 Jahren kontinuierlich eingeschaltet ist.

Leute beobachten, am besten während du mit einem kühlen Getränk in einem lauschigen Café sitzt, ist eine tolle Beschäftigung für gemächliche Ferientage. Und natürlich gibt es auch Webcams, mit denen du versuchen kannst, dieses Gefühl zu simulieren.

Ein absoluter Klassiker: Die Abbey Road Crossing Cam, die auf den berühmten Zebrastreifen, der auf dem Cover des Beatles Album „Abbey Road“ zu sehen ist, gerichtet ist. Genieße es, den Touristen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, Erinnerungsfotos zu schießen, während sie von wütenden Londoner Taxifahrern beschimpft werden.

 

Du brauchst eine Pause von der Menschheit? Der Houston Zoo ist zwar im Moment für Besucher geschlossen, die Bewohner sind aber noch alle da und fragen sich, wo die komischen Affen mit Krawatte plötzlich hin verschwunden sind. Die Zeit vergeht wie im Flug, wenn du beobachtest, wie Emus und Giraffen sich um ihr Mittagessen streiten oder Blattschneiderameisen ganz entspannt einen ganzen Haufen Laub verspeisen.

Pro-Tipp: Du kannst die Kameras teilweise auch selber steuern. So kannst du zum Beispiel ganz nah ranzoomen, wenn ein Flamingo sich selbst in einer Pfütze betrachtet. Es gibt übrigens jede Menge Webcams auf der Welt, die du selber steuern kannst. Das Internet hat natürlich auch zu diesem Thema eine praktische Liste parat.

 

Einige Webcams sind eigentlich nur für eine kleine Gruppe von Beobachtern gemacht, übertragen ihre Videos aber trotzdem munter über das Internet. Meistens handelt es sich nur um alltägliche Überwachungskameras: Videoaufnahmen von Parkhäusern, Hotellobbys und Fabriketagen. Wenn du dich gerade nach Alltäglichkeit sehnst, können diese Aufnahmen dir einen seltsam fesselnden Blick auf das Geschehen in der Welt geben. Während du dich durch die stürmischen Strände Floridas, die sonnigen Dächer Italiens und triste Lagerhallen scrollst, bekommst du langsam einen Eindruck davon, wie groß und vor allem wie vernetzt unsere Welt heute ist.

 

An neue Orte zu reisen und neue Kulturen kennenzulernen, bringt uns auf neue Gedanken und lässt den Alltag für kurze Zeit aus unserem Bewusstsein verschwinden – genau das richtige in der aktuellen Situation. Der vielleicht beste Weg um von Zuhause aus zu reisen, ist es, alles einfach auszuprobieren, auf dein Gefühl zu vertrauen und abzuwarten, wo du am Ende landest. Denn wie J.R.R. es so treffend formuliert hat: “Not all those who wander are lost.”