Der unbeliebteste Mitarbeiter: Kollege Stress

Kaum zurück aus dem Traumurlaub und schon schmeißt dein Kopf die To-do-Listen-Produktion an? Das ist nicht nur ein typisches Start-up-Syndrom, sondern jedem bekannt, der einen Job hat. Wir können uns noch so oft vornehmen, das entspannte Flair Süditaliens mit ins Office zu nehmen – spätestens, wenn wir das E-Mail-Postfach öffnen oder durch die verpassten Slack-Messages scrollen, sitzt uns Kollege Stress wieder im Nacken.

Ein Mittel gegen Stress ist Meditation. Dass uns bewusste Atemübungen und Achtsamkeit für den eigenen Körper beim Entschleunigen helfen, hat sich längst herumgesprochen. Nicht zuletzt haben Meditations-Apps wie Calm und 7Mind der lange als esoterisch verschrienen Praxis einen hippen Stempel aufgedrückt.

Erleuchtung am Schreibtisch?

„Aber wie in aller Welt soll ich Zeit für Meditation finden, wenn mein Tag schon so vollgepackt ist mit Aufgaben?“, denkst du dir bestimmt. „Wie wär’s, wenn du einfach während der Arbeit meditierst?“, sagen wir.

Nein, dafür musst du nicht deine Mittagspause mit geschlossenen Augen und im Schneidersitz verbringen. Entspannt durch den Wahnsinn des Büro-Alltags zu kommen, geht auch anders – und ganz ohne misstrauische Blicke von deinen Kollegen. Wir haben die richtigen, garantiert Grover-getesteten Entspannungstechniken für dich.

Atmen nicht vergessen

Deine S-Bahn fällt aus, die Aufgaben türmen sich auf deinem Schreibtisch, ein Kunde lässt seinen Frust in einer ungemütlichen E-Mail an dich aus. Hinter Stress verbirgt sich nicht einfach nur eine hohe Arbeitsbelastung, sondern Ängste. Die Angst, zu spät zur Arbeit zu kommen. Die Angst, seine Aufgaben nicht zu schaffen. Die Angst, den Kunden und damit auch die Chefin nicht zufriedenzustellen. Um die Angst nicht ausufern zu lassen, müssen wir uns dieser zunächst bewusst werden.

Eine gute Methode, dem Gedankenkarussell zu entrinnen, stammt von niemand geringerem als Googles ehemaligem hauseigenen Meditations- und Achtsamkeitstrainer Chade-Meng Tan. In seinem Buch „Search Inside Yourself“ empfiehlt er die „Siberian North Railroad“ – klingt merkwürdig, ist aber einfach ein Akronym aus den Schritten: Stop, Breathe, Notice, Reflect, Respond.

Lass die Eisenbahn vorbeirauschen

Sobald sich das nächste Mal ein negatives Gefühl von Ärger, Wut oder Nervosität in deiner Magengegend breit macht, versuche zunächst, nichts zu tun. Atme einfach nur tief ein und aus – und das geht im Stau genauso wie am Schreibtisch. Dann konzentriere dich auf deinen Körper: Wo spürst du Anspannung, Herzrasen oder Wut? Versuche, diese Emotionen nicht zu beurteilen, sondern einfach nur festzustellen. Dann kannst du reflektieren: Woher kommt dieses Gefühl? Versetz dich in den Kunden oder die Chefin hinein und betrachte die Situation aus der anderen Perspektive. Dann überleg dir: Was ist das schlimmste, was passieren könnte? Ist das wirklich so schlimm? Überlege dir die möglichst netteste Antwort auf die E-Mail des Kunden – ganz hypothetisch, du musst sie nicht wirklich abschicken.

Die Konzentration auf den Atem wird dich ablenken und beruhigen – das negative Gefühl gleitet einfach durch dich hindurch, wie ein Monster, das nur kurz vorbeischaut. Indem du es nicht fütterst, wird es einfach verschwinden.

Go with the flow

Mit bewusstem Atmen gönnst du deinem Bewusstsein eine Pause von den Stressoren, die stündlich auf dich hereinprasseln, und tankst so neue Energie. Aber wir können auch entspannen und gleichzeitig produktiv sein – sogar so produktiv wie sonst nie. Nämlich dann, wenn wir motiviert sind und einer Aufgabe mit Leidenschaft nachgehen. Wenn wir im Flow sind – so wie der Programmierer in „The Social Network“, der Justin Timberlake nicht die Hand geben wollte, weil er „im Flow“ ist.

Um diesen Zustand zu erreichen, in dem die Zeit verfliegt und die Arbeit so leicht von der Hand geht, dass sie sich nicht mehr wie Arbeit anfühlt, dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Fokus ist das Stichwort. Der „Entdecker“ des Flows, der amerikanische Wissenschaftler Mihály Csíkszentmihály, erkannte schon 1975 darin den Zustand der höchsten Leistungsfähigkeit. Ironischerweise fällt es uns heutzutage immer schwerer, diesen zu erreichen, obwohl die Anforderungen immer größer werden. Slack, Smartphones und Großraumbüros bieten jede Menge Ablenkung. Und dieser nachzugehen ist sehr verlockend, wird doch von uns erwartet, immer erreichbar und ansprechbar zu sein. Oder glauben wir nur, dass das von uns erwartet wird?

Im Flow zu sein kommt einer Meditation gleich. Es geht bei beidem darum, sich abzugrenzen, sich auf das Wesentliche konzentrieren und Ablenkungen achtsam vorbeiziehen zu lassen. Und so die Kontrolle zu übernehmen. Aber wie erreichst du diesen Zustand der produktiven Schwerelosigkeit? Such dir zunächst eine Aufgabe, die dich herausfordert, aber nicht unter- oder überfordert. Finde den richtigen Zeitpunkt und Ort, an dem du konzentriert arbeiten kannst. Schalte E-Mail- und Chatprogramme auf stumm. Und bleib am Ball. Du erwischst dich weiterhin alle 5 Minuten dabei, deine Nachrichten zu checken? Sei nicht zu hart mit dir selbst. Abgrenzung braucht Übung und Selbstvertrauen. Und wenn du Angst hast, etwas zu verpassen, dann lass die Nordsibirische Eisenbahn vorbeirauschen.

Mach mal ‘ne Pause

Ob du im Flow bist, erkennst du daran, dass nicht nur deine Umwelt, sondern auch deine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten. Hunger, Durst oder gar den Gang zur Toilette ignorieren wir gern, wenn wir uns an einer Sache so festbeißen, dass alles andere unwichtig wird. Doch dein Körper ist keine Maschine und die Grenze zur Überlastung wird schnell überschritten. Ziel ist es nicht, den ganzen Arbeitstag im Flow zu verbringen, denn dann würden wir uns in zombieartige Workaholics verwandeln und die Leistungsfähigkeit ziemlich schnell abnehmen.

Nimm dir also bewusst Pausen. Nur wenn sich Anspannung und Entspannung abwechseln, kannst du dauerhaft produktiv und ausgeglichen bleiben. Gerade wenn dir der beste Freund von Kollege Stress, der liebe Perfektionismus, über die Schulter guckt, ist es wichtig, dich kurz aus der Situation herauszunehmen und – genau – durchzuatmen, um die Signale deines Körpers wahrzunehmen. Gehörst du zu der Hälfte der Bevölkerung Deutschlands mit einer sitzenden Tätigkeit, ist es besonders wichtig, ab und zu aufzustehen. Für eine kleine Verschnaufpause musst du nicht über den Parkplatz joggen. Es reicht der Gang zur Toilette oder ein Plausch an der Kaffeemaschine.

Nicht zu vergessen: Die richtige Technik

Glückwunsch, du hast diesen Text bis zum Ende gelesen! Das ist der richtige Schritt in Richtung Ausgeglichenheit am Arbeitsplatz. Wie jede Gewohnheit ist auch Meditation und Achtsamkeit etwas, das du dir antrainieren musst. Doch zum Glück gibt es ein paar technische Helfer, die dich unterstützen.

Mit Grover kannst du dir zum Beispiel eine Apple Watch mieten, die dich stündlich daran erinnert, vom Schreibtisch aufzustehen. Und wenn das Ritual in Mark und Bein übergegangen ist, kannst du die Uhr einfach wieder zurückschicken. Oder du mietest dir einen neuen Laptop, der dich in den richtigen Flow katapultiert, statt dich mit Fehlermeldungen und Rechnerleistung im Schneckentempo zu ärgern. Denn dann hilft auch kein Durchatmen mehr 😉

 


Quellen:

Chade-Meng Tan: Search Inside Yourself. The Unexpected Path to Achieving Success, Happiness (and World Peace), 2012.