Über Geld redet man nicht.

Außer mit deinem Sparkassen-Fachberater sprichst du im alltäglichen Leben wahrscheinlich nicht sehr oft über deine Geldgeschäfte. Aber genauso wie unsere Rechnungen nicht einfach verschwinden, wenn wir sie in der Schublade verstecken, begleiten uns Sorgen zu unseren Finanzen hartnäckig durch unseren Alltag. Also, let’s talk money.

Im Internet kursieren viele (mehr oder weniger reißerische) Artikel darüber, dass Geld uns glücklich macht – trotz aller platten Sprüche, die das Gegenteil behaupten. Das kommt natürlich nur zur Überraschung derer, die in ihrem Leben noch nie unter substantieller Geldnot gelitten haben. Finanzielle Sicherheit nimmt man eben doch nur wirklich wahr, wenn man einmal ohne sie leben musste.

Viel interessanter als die Frage, ob Geld glücklich macht, ist doch, welchen Einfluss Schulden auf unsere Zufriedenheit haben. Zudem wahrscheinlich mehr Menschen Erfahrungen mit Schulden als mit Reichtum gemacht haben.
Eine Studie der University of Birmingham befragte 2001 eine Gruppe von Menschen dazu, welche Ereignisse in ihrem Leben sie am stärksten negativ beeinflusst haben. Verschuldung steht auf Platz 5. Schlimmer ist nur der Tod von Freunden oder Verwandten und ein Aufenthalt im Gefängnis.

0 %-Finanzierung, 100 % verschuldet

Es ist unbestreitbar, dass verschuldet zu sein einen großen Einfluss darauf hat, wie zufrieden wir mit unserem Leben sind. Tatsächlich wächst aber die Anzahl der aufgenommenen Kredite und der Kreditanfragen in Deutschland jedes Jahr. Auch der Kreditrahmen und die Laufzeit der Verträge steigen stetig an.

Die 0 %-Finanzierung, nichts weiter als ein schlau vermarkteter Ratenkredit, bindet den Kunden nicht nur an ein Kreditinstitut, sondern auch an den jeweiligen Händler. Der Verbraucher ist also gleich an zwei Vertragspartner gebunden.

Es kann viele Gründe geben, warum sich jemand für eine Finanzierung entscheidet. Natürlich gibt es diejenigen, die sich nicht die Mühe machen wollen, für das gewünschte Produkt zu sparen. Viel öfter ist die Zeit zum Sparen aber einfach nicht da oder es besteht schlicht keine andere Möglichkeit, als einen Kredit abzuschließen.

Ein Haushaltsgerät, wie eine Waschmaschine oder ein Herd, ist für viele Familien im Alltag essenziell. Ist es defekt, können sich viele eine Neuanschaffung einfach nicht leisten. Ersetzt werden muss es trotzdem und in vielen Fällen besteht einfach keine andere Möglichkeit, als eine Ratenzahlung in Kauf zu nehmen, um das gewünschte Gerät zu bekommen.

Und der Haken an der Finanzierung?

Die sogenannte 0 %-Finanzierung ist vor allem bei der Anschaffung von Elektronik und Möbeln eine beliebte Zahlungsart. Sie ist scheinbar schnell, günstig und direkt im Laden abgeschlossen. So erweckt sie beim Verbraucher nicht das Gefühl, eine weitreichende Entscheidung zu sein – so wie bei einem Kredit in der Bank – und hat den Vorteil, dass man das Gerät sofort in den Händen halten kann.

Doch gerade Unterhaltungselektronik verliert innerhalb von wenigen Jahren oft vollumfänglich seinen Wert – materiell und ideell.

Der ideelle Faktor, der maßgeblich zur Anschaffung von Tech-Produkten beiträgt und fast genau so schnell wieder an Relevanz verliert, ist der Reiz des Neuen. Während wir unser neues Smartphone in den ersten Tagen noch ehrfürchtig in den Händen halten, schmeißen wir es nach wenigen Wochen schon achtlos auf die Couch oder setzen uns versehentlich drauf.

Natürlich ist das nicht der einzige Faktor, der den Wert unserer Anschaffungen bestimmt. Die materielle Lebensdauer des Gerätes bestimmt zum Beispiel, wie lange wir es überhaupt nutzen können. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Smartphones liegt zum Beispiel nur zwischen 2 und 2,9 Jahren.

Die Nutzungsdauer eines Smartphones liegt laut dem Umweltbundesamt bei zwei Jahren und auch die Nutzungsdauer von TV- und Haushaltsgeräten sinkt stetig. Dabei spielt tatsächlich auch der ideelle Wert eine große Rolle. So werden über 60 % aller funktionsfähigen Fernseher ausgetauscht, weil der Besitzer sich ein neueres Gerät wünscht. Und während wir unsere guten alten Röhrenfernseher bis zu 12 Jahre nutzen konnten und wollten, werden die meisten Fernseher heute schon nach durchschnittlich 6 Jahren ausgetauscht.

Noch schneller sind wir bei Smartphones, die wir durchschnittlich alle 2 Jahre ersetzen. Stell dir vor, du holst dir das neueste iPhone, indem du es finanzierst. Für möglichst niedrige Raten entscheidest du dich für eine Laufzeit von bis zu 60 Monaten, also 5 Jahren. Nach einem Jahr bringt Apple das nächste Modell auf den Markt. Und spätestens nach zwei Jahren sehnst du dich nach einem Upgrade. Erkennst du den Widerspruch?

Deine Finanzierung läuft natürlich weiter. Du bezahlst weiter für ein Gerät, das materiell und ideell überhaupt keinen Wert mehr für dich besitzt. Das neue Gerät kannst du jetzt entweder für viel Geld kaufen oder die nächste Finanzierung abschließen. (Oder du mietest es.)

Let’s talk Schulden

Viele denken, Schulden hat man nur, wenn die monatlichen Zahlungen Probleme bereiten und man finanziell in der Klemme steckt. Tatsächlich machen wir aber schon Schulden, sobald wir eine Finanzierung oder einen Kredit abschließen. Werden die Zahlungen zum Problem und andere finanzielle Mittel angezapft, ein Sparkonto zum Beispiel, stecken wir in der Verschuldung. Und wenn die regelmäßigen Zahlungen nicht mehr beglichen werden können, Rechnungen ignoriert werden und Mahnungsgebühren anfallen, spricht man von Überschuldung. Ab diesem Punkt ist der Betroffene meist finanziell komplett handlungsunfähig. In Deutschland ist das etwa jeder zehnte Erwachsene.

Schmale Raten über einen langen Zeitraum mögen auf den ersten Blick attraktiv wirken, bergen aber ernste Risiken für jeden, der keinen 5-Jahres-Plan für sein Budget hat.
Und selbst wenn du deine Finanzen bis ins kleinste Detail durchgeplant haben solltest, hat das Leben die Angewohnheit, uns mit unberechenbaren Situationen zu konfrontieren. Krankheit, Arbeitsunfähigkeit oder einfach der Wunsch nach einem Karrierewechsel können deine Pläne ganz schön durcheinander bringen. Es lohnt sich also auf Flexibilität zu setzen.

Mieten als die neue Alternative zur Finanzierung

Eine Alternative – sowohl zur Finanzierung als auch zum sofortigen Kauf – ist die Miete. Der große Nachteil der Finanzierung ist, dass du dich für mehrere Jahre an eine Bank, einen Händler, ein Gerät und eine finanzielle Verantwortung binden musst. Mietest du dein Gerät, bist du immer nur für die Mietzeit an das Gerät gebunden, die je nach Bedarf zwischen einem und 12 Monaten liegen kann. So bleibst du flexibler und behältst die Kontrolle über deine Finanzen.

Tatsächlich hat die Miete nicht nur finanzielle Vorteile für dich. Laut dem Umweltbundesamt können Alternativen zum Kauf, wie zum Beispiel die Miete, die Lebens- und Nutzungsdauer von Elektronik deutlich verlängern. So werden weniger Geräte vorschnell ausrangiert und Elektroschrott reduziert.

Macht dich deine neu gewonnene finanzielle Freiheit also noch nicht zufrieden genug, kannst du immer daran denken, dass du gleichzeitig deinen Teil dazu beiträgst, den Müll auf unserem Planeten zu reduzieren.

Über Grover:
Grover ist ein Startup aus Berlin, das es sich seit 2015 zur Aufgabe gemacht hat, mehr Menschen Zugang zu ihrer Wunschtechnik zu geben.


Quellen

The life events inventory: Re-scaling based on an occupational sample. Spurgeon, A. Jackson, C. A. Beach, J. R.

Einfluss der Nutzungsdauer von Produkten auf ihre Umweltwirkung: Schaffung einer Informationsgrundlage und Entwicklung von Strategien gegen „Obsoleszenz“