Ob sneakertragende Tech-CEOs, moderne Lifestyle-Nomaden ohne festen Wohnsitz aber mit Millionen von Followern, oder „Normalsterbliche“’ mit 9-to-5-Job – es war noch nie schwieriger, Einkommen, Einfluss, ja Status einer Person nach einem schnellen Blick auf ihr Äußeres einzuschätzen.

Zeugten noch vor 30 Jahren ein Einfamilienhaus und ein Mercedes ziemlich sicher von einem gut bezahlten Job, ist heute nicht mehr eindeutig erkennbar, auf welchem Einkommensniveau jemand steht, der mit einem DriveNow-Auto unterwegs ist und in einer Mietwohnung lebt.

Geld verdienen, sogar reich sein, das wollten die meisten Menschen schon immer, aber die Statussymbole der Reichen und derer, die es gerne wären, könnten heutzutage nicht unterschiedlicher sein. Doch eines haben sie heute alle gemeinsam: ein hippes Handy einer Top-Marke.

Doch wie wurde das Handy zum ultimativen Statussymbol und zum Must-have all derer, die Teil der erfolgreichen und trendbewussten Masse sein wollen?

Das Alphatier Apple

Apple-Produkte waren lange das Symbol eines bestimmten Technik-Lifestyles kreativer Menschen. Sie standen für Individualität und Kreativität – nicht zuletzt dank des genialen Marketings von Apple. Wer Apple kaufte, konnte komplexe Grafikdesign-Aufgaben scheinbar nebenbei in einem Café erledigen und seine gesamte Musiksammlung überall hin mitnehmen. MacBook, iPod und iPhone wurden zu selbstverständlichen Begleitern einer neuen Kreativklasse, die selbstbestimmt durchs Leben ging und in Tech-Produkte investierte, die funktional waren, gut aussahen und sich an ihren individuellen Lebensstil anpassten.

Apple zu haben, hieß lange, cooler und wohlhabender als der Durchschnitt zu sein. Genau das verhalf der Marke schließlich zu ihrem weltweiten Mainstream-Erfolg. Und die Apple-Erfolgsstory ist noch lang nicht an ihrem Ende angelangt. Auch wenn sich der Status der Marke verändert hat und sie längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sind weltweit Millionen von Menschen bereit, weit mehr Geld für Apple-Produkte auszugeben, als für vergleichbare Geräte anderer Hersteller.

Waren bis vor einiger Zeit noch Autos die Objekte, die unseren Nachbarn signalisierten, wie es um unseren Lifestyle und unser Einkommen bestellt ist, übernehmen nun – da Millennials immer weniger Autos kaufen – Smartphones diese Rolle. Bei der Vielzahl an Optionen sagt die Entscheidung für ein bestimmtes Modell oder eine Marke so einiges über uns aus. Eine Studie von Mediamark Research Intelligence und dem US National Bureau of Economic Research zeigt, dass eine Person, die ein iPhone besitzt, zu 69-prozentiger Sicherheit zu den Besserverdienenden zählt.

Doch viele Deutsche besitzen mittlerweile ein iPhone. Und so verschieben sich die Indikatoren. Viel bedeutsamer als die Marke an sich, ist es nun, zu den Ersten zu gehören, die das neueste Modell nutzen. Im Umkehrschluss sagt ein älteres Modell mit hoher Wahrscheinlichkeit aus, dass sich die Person gerade kein Upgrade leisten kann oder sie Technik keinen besonders hohen Stellenwert zuschreibt.

So entspricht das Smartphone heute der Definition eines Statussymbols. Es ist ein Objekt, das seine Besitzer in ein strahlendes Licht rücken soll und Annahmen über deren sozialen und ökonomischen Status zulässt. Im alten Rom war die Zitrone ein Statussymbol – durch ihre Seltenheit, die besondere Farbe und den einzigartigen Geruch gerade bei reichen Leuten beliebt. Im 17. und 18. Jahrhundert stand die Ananas in Europa für Reichtum, sodass sie, statt gegessen zu werden, oft so lange stehen gelassen wurde, bis sie verrottet war. Moderne Luxusgüter wie Villen, Motorboote oder Luxus-Mode funktionieren nach einem ähnlichen Schema. Man hat sie, weil man sie sich leisten kann, nicht weil man sie braucht und sie signalisieren dadurch nicht greifbare Errungenschaften wie Ruhm und Macht.

Aber auch neueste technische Geräte gehörten schon immer zu den beliebtesten Statussymbolen. Im Mittelalter hätte sich kein erfolgreicher Mensch ohne ein Astrolabium blicken lassen und ein CD-Player kostete 1980 700 US-Dollar und war somit nur den wenigen Besserverdienenden vorbehalten.

Es war einmal ein Nokia 3310

Das iPhone war nicht das erste mobile Kommunikationsgerät, um das ein Hype entstand. Es gab schon davor einige „smarte“ Geräte, mit denen sich Pläne und Aufgaben verwalten ließen.

In den späten 90er Jahren ging kein geschäftstüchtiger Mensch ohne Personal Digital Assistant, kurz PDA, aus dem Haus – idealerweise mit dem Palm Pilot. In Kollaboration mit IDEO entstanden, kam das It-Gadget 1999 auf den Markt, lange bevor Apple die Welt mit hauchdünnen Geräten aus gebürstetem Aluminium begeisterte. Zu Beginn des Jahrtausends setzte sich das ebenfalls filigran designte Motorola RAZR gegen das klobig-kultige Nokia 3310 durch und war zwischen 2004 und 2008 das meistverkaufte Mobiltelefon.

Kurz bevor das iPhone den Markt umkrempelte, war das Samsung BlackJack kurzzeitig heiß begehrt, bot es doch schon ein Farbdisplay, auf dem man im Netz surfen konnte.

In den meisten Teilen der Welt gewinnt schließlich das iPhone das Rennen um das beliebteste Smartphone. Ausnahmen bilden einige Länder Afrikas, unter anderen Nigeria, wo der Blackberry noch heute als das technische Satussymbol Nummer eins gilt. Dort steht er für Macht, da er sich zuerst bei Top-Managern und anderen einflussreichen Leuten durchgesetzt hatte.

Selbst in China, wo Huawei und Xiaomi ihre Aufholjagd gestartet haben, ist das iPhone wegen seines internationalen Charmes weiterhin populär und zählt zusammen mit anderen Gadgets aus dem Hause Apple zu den begehrtesten Geschenken. Der hohe Stellenwert der Produkte gepaart mit den hohen Preisen treiben gerade in China Millionen Menschen dazu, Fälschungen zu kaufen, um sich zumindest an dem Schein von Apple zu erfreuen.

Der Soziologe Thorstein Veblen, bezeichnete so ein Verhalten als „conspicuous consumption“, auffälligen Konsum, und meinte damit die Idee, Dinge nur wegen ihrem Luxus-Image zu kaufen. 

Heutzutage werden diese Art von Anschaffungen jedoch seltener. Immer mehr Menschen geht es um einen komplexeren Konsum und darum, bestimmte Codes von Wissen, Geschmack, politischer Einstellung oder Macht zu vermitteln, die nicht einfach an jedem Flughafen gekauft werden können.

Genau aus diesem Grund hält der indische Autor Sandip Roy ein neues iPhone (und andere Top-Handys) für die perfekten Statussymbole: Durch die hohe Qualität und teilweise exklusiven Features befreien sie ihre Besitzer*innen zumindest teilweise von der Schuld, sie nur wegen des Markennamens gekauft zu haben. Stattdessen heißt es: „Ich brauche und ich will genau diese Funktion aus einem bestimmten Grund.“

Ein gewisser Drang zur Angeberei ist uns jedoch möglicherweise angeboren: Eine Studie des Natural Communication Magazins hat den Zusammenhang von Testosteron und dem Drang, Luxus zu besitzen, untersucht und herausgefunden, dass Männer größeren Gefallen an Luxusgütern empfanden, sobald mehr Testosteron in der Luft lag.

Aber unser Verhalten ist ja zum Glück um einiges komplexer als reine biologische Triebe und so wünschen sich die meisten von uns, mit ihrem Besitz mehr auszusagen als nur „Ich bin reich“, wie es die 999 US-Dollar teure I Am Rich App tut, die einfach nur ein glitzerndes Juwel anzeigt und tatsächlich von acht Leuten gekauft wurde, von denen zwei hinterher eine Rückerstattung verlangt haben.

Vom materiellen Luxusleben zum inszenierten Insta-Lifestyle

Moderne Statussymbole sind eher Lifestyle-Symbole, die darüber berichten, wie ihre Besitzer*innen ihr Leben gestalten, was sie interessant finden, wie gesund sie sind oder wie produktiv. Von einer oberflächlichen, leicht zu imitierenden Aussage wie „Das hier kostet echt viel Kohle” zu „Das hier ist wirklich schwer zu erreichen.“

In einem Artikel im Guardian schreibt zum Beispiel Ben Tarnoff, dass harte Arbeit das neue Statussymbol sei: Auffälliger Konsum von Luxusartikeln würde von auffälliger Produktivität ersetzt, die das ständige Arbeiten verherrlicht. Dabei würde die Überlegenheit einer Klasse von Leadern durch ihre übermenschlichen Fähigkeiten zur ständigen Produktivität gerechtfertigt und gleichzeitig ein neuer Umgang mit Reichtum signalisiert. Top-Manager verschwendeten ihre Zeit und ihr hart verdientes Geld nicht damit, ihren Reichtum zu präsentieren, sondern geben damit an, wie viel sie arbeiten, um erfolgreich zu sein. Das ginge soweit, dass sogar die Überwindung von Schlaf gefeiert wird.

Genauso gehören Gesundheit und Fitness zu den neuen Anzeichen eines wünschenswerten Lifestyles, wobei die Idee, Status über seinen körperlichen Zustand auszudrücken, keinesfalls neu ist. In der Renaissance wollte man gezielt füllig sein, um auszudrücken, dass man sich allerlei Leckereien leisten kann. Heute gibt man mit teurer Sportkleidung und Health-Food an und ist ständig auf Reisen oder in teuren Fitnessstudios unterwegs.

Auch daran zeigt sich, dass heutige Statussymbole funktional und sinnvoll sein müssen, um die hohen Ausgaben zu rechtfertigen. Luxus-Sneaker sind bei der informell gekleideten Tech-Elite des Silicon Valley so beliebt, weil sie vordergründig den Komfort und die Funktionalität eines Sportschuhs verkörpern sollen. Natürlich hat diese Art von Rechtfertigung ihre Grenzen. Es ist kein Geheimnis, dass Mark Zuckerbergs Sneaker im Handel über 1000 US-Dollar kosten .

Die Königskategorien der heutigen Statussymbole sind Reisen und edle Lebensmittel. Am liebsten im Doppelpack: Weinreisen nach Frankreich mit Übernachtungen in Schlössern sind der letzte Schrei bei Chinas Superreichen und auf Ibiza lockt ein Restaurant jeden Sommer eine Handvoll Gäste mit einem über 2000 Euro teuren 10-Gänge-Menü inklusive Virtual-Reality-Erfahrung.

Die Statussymbole der nächsten Generation

Welche Gegenentwürfe zum gekauften Luxus wird es noch geben, um sich abzuheben und wie sehen die Statussymbolen der Zukunft aus, wenn altmodischer Luxus-Konsum immer mehr aus der Mode kommt? Auf Pinterest haben Teenager das kaputte iPhone-Display zum Statussymbol gemacht und sagen damit: „Ja ich kann mir ein iPhone leisten, aber es ist nichts besonderes für mich und es ist mir egal, wie es aussieht oder ob es mal runterfällt.“ Passend zur rebellischen Attitüde, die wir gern Jugendlichen zuschreiben. Ihre Vorliebe für eine imperfekte Ästhetik stellen sie in tausenden Posts ihrer gebrochenen Displays zur Schau.

Ob nun Luxusdinner oder abgerocktes iPhone, eines haben alle Statussymbole gemeinsam: Sie brauchen ein Publikum und wollen gezeigt werden. Da kommt das Smartphone wieder ins Spiel. Es muss überall dabei sein und berichten. „Wenn es nicht auf Instagram ist, dann ist es nicht passiert,“ besagt ein ironischer Spruch und trifft den Nagel auf den Kopf.

Was erlebt, gekauft, gegessen wird, muss auch gepostet werden. Nur so kann es seine Wirkung auf Mitmenschen entfalten und diejenigen, die es erleben in ein besseres Licht rücken. Bestes Beispiel sind die 10 Teilnehmenden des Ibiza-Dinners, die vier Stunden lang ihr Smartphone nicht aus der Hand legen. Aber auch auf den Straßen, in den Fitnesscentern, Hotels und Eventlocations dieser Welt wimmelt es überall von Menschen, die ihren Lifestyle ohne Pause fotografieren, filmen und posten.

So wurde das Smartphone zum ultimativen Statussymbol, das immer dann gezückt wird, wenn es etwas zum Angeben gibt. Egal welchen Lifestyle ein jeder von uns bevorzugt, das Smartphone ist DAS Werkzeug, um unsere Persönlichkeit in der Öffentlichkeit zu spiegeln – durch Selfies, Likes, Kommentare oder Storys.

Die großen Trends unserer Zeit zielen auf Individualität, Flexibilität und außergewöhnliche persönliche Erfahrungen ab. Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Ernährung auf unsere DNA abstimmen und Trends schneller die Runde machen, als wir „Gymselfie“ sagen können. Der Trend des Smartphones geht, so wie bei Mobilität und Mode, weg vom dauerhaften Eigentum hin zur flexiblen Miete. So können wir unsere Technik immer dann austauschen, upgraden oder uns ganz davon befreien, wenn es Zeit für einen Wechsel ist.

Im englischen Original von Kathryn Lawrence. Übertragen ins Deutsche von Milena Leszkowicz und Sarah Eichner.